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Im Goldenen Oktober 2021 eine Flussreise auf der Mosel

Gunda Würdemann-Ihnen, Reisebegleitung
01.01.1970
Es hieß wieder "Leinen los". Wir waren froh, endlich wieder reisen zu können und das Warten hatte ein Ende. Voller Freude starteten wir unsere Flusskreuzfahrt auf dem Kreuzfahrtschiff "MS Carissima" in die Welt der Burgen und des Weines.Die liebliche Mosel ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Besonders im Herbst erstrahlen die Weinberge in den verschiedensten Farben. Wunderbare Landschaften, wohlschmeckende, köstliche Weine entlang dieses Landstriches und die Erwartung auf das, was kommt...

Jede Reise ist eine Erzählung wert und
Kurt Tucholsky sagte einst " Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben"

1. Tag, Samstag 09.10.2021 - Tag der Anreise nach Frankfurt

In unserem Bus hatten wir Gäste aus Oldenburg, Bremen, Hannover und Göttingen. Alle Gäste standen pünktlich an den Abfahrtsorten. So konnte die Fahrt nach Frankfurt, außer nach Göttingen, immer zügig fortgesetzt werden. Leider hatten wir auf der A 7 eine Monsterumleitung, die uns um 45 Minuten zurückwarf. Deswegen mussten die Göttinger Gäste eine Wartezeit in Kauf nehmen. Wir hatten aber telefonischen Kontakt. So fühlten sie sich nicht alleine gelassen.

Die Nürnburger Gäste reisten mit der Bahn nach Frankfurt an. Diese Gäste trafen wir an Bord. Wir waren eine Gruppe von insgesamt 38 Personen.

Während der Hinfahrt im Bus spürte ich schon, dass ich mit einer netten und recht lustigen Gesellschaft unterwegs sein würde. 

Zur Einschiffung wurden wir von der Bordreiseleiterin Karin und vom Hotelmanager Theo begrüßt. Theo kannte ich von vorherigen Reisen. Bekannte an Bord zu haben, das ist immer ein großer Vorteil für die Gäste und für mich.

Nachdem die Formalitäten der Einschiffung erledigt waren, erhielten wir unsere Kabinenschlüssel und wir konnten die Kabinen beziehen. Inzwischen wurde das Gepäck hurtig von der Crew auf die Kabinen gebracht. Jeder machte es sich ein bisschen bequem und gemütlich in der Kabine. Es sollte ja für die nächsten Tage unser zu Hause sein. Danach hatten wir Zeit, das Schiff zu erkunden. Kaffee und Gebäck standen in der schönen Lounge bereit.

Wir hatten so ein Glück dieses schöne schwimmende Hotel für die folgenden Tage bewohnen zu dürfen.

Später erhielten wir vom Hotelmanager Informationen zur Schiffssicherheit und zum Leben an Bord. Die wichtigste Botschaft war, dass wir an Bord immer Masken tragen mussten. Sobald man einen Platz einnahm oder natürlich in der Kabine, durfte man sie entfernen.

Weiterhin wurden uns von der Bordreiseleiterin Karin ganz ausführlich alle geplanten Ausflüge erläutert und sie konnten dann auch gleich bei ihr gebucht werden, wenn man nicht schon zuvor im bei Buchung der Reise mitgebucht hatte. Im Voraus zu buchen ist ein großer Vorteil, denn dann kann man gewiss sein, dass man einen Platz erhält. Häufig ist es so, dass man an Bord kommt und die Ausflüge sind bereits ausgebucht. Wenn das passiert, dann ist die Enttäuschung bei den Gästen groß. In der Regel kennen sich die Bordreiseleiter/innen und die Reisebegleitungen gut aus und können wertvolle Tipps für individuelle Ausflüge geben.

So langsam meldeten sich unsere Mägen und wir freuten uns auf das erste gemeinsame Abendessen im Restaurant. Zuvor erhielten wir in der Lounge unsere Tischreservierungen. Am Eingang des Restaurants wurden wir zu unseren Tischen gebracht. Alles war bestens vorbereitet und organisiert. Während des Essens passierten uns in regelmäßigen Abständen Partyschiffe und etliche Frachtschiffe. Welche Fracht transportiert wurde, konnte man wegen der Dunkelheit nicht erkennen. Auf den hell erleuchteten Partyschiffen werden gerne Geburtstage, Weihnachtsfeiern, Betriebsfeste und vieles andere gefeiert.

Wer noch Lust hatte, ließ den Abend an der Bar oder in der Lounge ausklingen.

Das Ablegen um 22.00 Uhr wollten sich die meisten Gäste nicht entgehen lassen. Insbesondere die männlichen Gäste ließen sich diese Manöver nicht entgehen. Die Matrosen müssen ganz schön "flitzen", um die Kommandos des Kapitäns befolgen zu können. Im letzten Augenblick springen sie aufs Schiff, damit sie nicht an Land zurückbleiben müssen. Wären sie zu langsam, dann würde das sicher passieren, aber da bin ich mir ganz sicher, kein Matrose würde zurückbleiben.

Ich sah nur in faszinierende Augen, als wir durch das Lichtermeer von Frankfurt mit Kurs auf Koblenz fuhren. Das ist vom Schiff aus immer ein ganz besonderes Highlight.

2. Tag, Sonntag 10.10.2021 - Koblenz

Das reichhaltige Frühstück von 7 - 9 Uhr ließ keine Wünsche offen. Die Ausflugsgäste waren immer pünktlich beim Frühstück, denn der Start der Ausflüge fand täglich um 9 Uhr statt. Die Gäste, die individuell unterwegs waren, ließen sich verständlicherweise ein wenig mehr Zeit. Allerdings sollte jeder wieder pünktlich zur Abfahrt des Schiffes an Bord zurück sein.

Vor dem Verlassen des Schiffes, wurden wir gebeten, den Kabinenschlüssel abzugeben. Für den Schlüssel erhielten wir eine Schiffskarte mit der Telefonnummer des Schiffes. So weiß man an der Rezeption, wer an Land unterwegs ist. Beim Ablegen des Schiffes sollten alle Schlüssel abgeholt und die Schiffskarte zurückgegeben sein. Wenn nicht, dann wird die Person über Lautsprecher an Bord gebeten, sich an der Rezeption zu melden. Manchmal vergessen nämlich die Gäste, sich bei ihrer Ankunft an Bord den Kabinenschlüssel geben zu lassen. Die Bordreiseleitung möchte sich ganz sicher sein, dass alle Gäste bei Abfahrt des Schiffes an Bord sind. Wer bei Ablegen des Schiffes nicht an Bord ist, muss dann mit Bus, Bahn oder Taxi zur nächsten Anlegestelle fahren und das kann unter Umständen recht teuer werden.

Unser Schiff MS Carissima hatte in Koblenz einen Liegeplatz nur wenige Schritte von der Altstadt entfernt, am Peter Altmeier Ufer. (genannt nach dem ehemaligen Ministerpräsidenten Peter Altmeier von Rheinland Pfalz 1949-1969). Sehr praktisch für die Gäste, die keinen Ausflug gebucht hatten und individuell unterwegs sein wollten. Es waren nur kurze Wege, um schnell in die Altstadt von Koblenz zu gelangen.

Alle anderen Gästen erwartete schon am ersten Ausflugstag ein ganz besonderes Highlight. Mit der Seilbahn sollte es hinauf auf den Felssporn und zur Festung, hoch oben über dem Zusammenfluss von Rhein und Mosel gehen. Alle genossen den spektakulären Blick über das Weltkulturerbe der UNESCO Oberes Mittelrheintal. Die Seilbahn verbindet das Konrad-Adenauer-Ufer mit der Festung Ehrenbreitstein.; 

Das Reiterstandbild am deutschen Eck in Koblenz, vom ersten Deutschen Kaiser Wilhelm I., symbolisiert die deutsche Einheit nach der Reichsgründung 1871. Das "Deutsche Eck" ist das Wahrzeichen von Koblenz und ein Anziehungspunkt für jeden Touristen. Es ist eine künstlich aufgeschüttete Landzunge an der Mündung der Mosel in den Rhein.

Nach diesen vielen Eindrücken am ersten Tag freuten sich alle auf das erste gemeinsame Mittagessen im Bordrestaurant. Die Tische wurden schon am Abend zuvor an die Gäste vergeben. So fanden sich alle Gäste schnell im Restaurant zurecht.

Einige Gäste waren noch müde von der Anreise und wollten die Mittagsstunde schlafend verbringen, andere hielten sich auf dem Sonnendeck auf und ließen die Landschaft wie einen Film an sich vorüberziehen oder machten es sich in der Lounge gemütlich. Von dort konnte man auch die wunderschönen Landschaften genießen. Es ist egal von welchem Platz aus, die atemberaubende Landschaft zog uns alle von überall auf dem Schiff in den Bann. Die MS Carissima passierte das schöne Winzerdorf Winningen. Es war mehrfacher Gewinner des Dorfwettbewerbes "Unser Dorf hat Zukunft". Besonders bekannt wurde der Ort durch das zehntägige und damit das längste Moselfest in Deutschland. Es ist das älteste Weinfest in Deutschland. Das Wahrzeichen die Winnger Weinhex: Zwei junge Frauen vertreten traditionell den Winninger Wein. Das sind die Weinköniginnen oder Weinhexen, die für ein ganzes Jahr dieses Ehrenamt repräsentieren. Wer einmal im Leben die Königin oder die Hex war, wird dies als besondere Zeit im Leben empfinden.

Als nächstes Highlight folgte das märchenhafte Schloß Liebieg in Kobern-Gondorf direkt im Ort. Anmutig präsentiert sich das stattliche Gebäude in einem großen Park mit unzähligen Rhododendronbüschen.

An diesem Nachmittag folgten noch viele weitere Highlights, wie z.B. der romantische Glockenturm in Lehmen aus dem 12. Jahrhundert. Prachtvoll konnten wir den ihn vom Schiff aus für mehr als eine Stunde bewundern. Wir mussten nämlich so lange auf die Schleusendurchfahrt warten. Das passiert häufiger. Wir hatten etliche Schleusen zu durchfahren. In der Regel haben die Frachtkähne, wegen Terminvorgaben, Vorrang.

Inzwischen hatte unser Schiff schon abgelegt und wir waren unterwegs in Richtung Bernkastel-Kues. Es herrschte ein reger Schiffsverkehr an Lastkähnen, welche die verschiedensten Güter transportierten, aber auch viele sportliche Freizeitkapitäne waren unterwegs. Sie nutzten am Sonntag noch einmal die wunderschöne Wetterlage.

Etliche Gäste hielten sich in der gemütlichen Lounge auf und warteten auf die Kaffeezeit.

Frisch aufgebrühter Kaffee mit leckerem Gebäck, dazu die dezente Hintergrundmusik des Alleinunterhalters "Stefan" ließen eine schöne und ruhige Stimmung aufkommen. Diese Zeit wurde von den Gästen gerne angenommen.

Nach dem Abendessen stand noch für meine Gruppe ein besonderer Höhepunkt auf dem Programm. Ich hatte alle Gäste im Namen von Hanseat Reisen zu einem exklusiven Sektempfang in die Bibliothek eingeladen. Es wurde ein netter, gemütlicher und lustiger Abend. Danke, liebe Gäste, dass Sie meiner Einladung folgten.

Das Abendessen erwartete uns wieder im eingedeckten Speisesaal. Das Servicepersonal war freundlich und war wirklich auf "zack". Mit drei Sorten Wein wurde während der Mahlzeiten sehr großzügig umgegangen.

Auf der Kabine lag inzwischen das Tagesprogramm für den folgenden Tag. Ankunfts- und Abfahrtszeiten, Beginn der Ausflüge, zurück an Bord und Beginn der Mahlzeiten, das waren die wichtigsten Themen, die im Tagesprogramm vermerkt waren. Darüber hinaus standen noch einige andere täglich wechselnde Hinweise drin. Ich riet meinen Gästen, das Tagesprogramm immer bei sich zu tragen und alle für sie wichtigen Termine zu markieren. So erspart man sich weite Wege in die Kabine zurück.

3.Tag, Montag 11.10.2021 - Bernkastel-Kues

Bernkastel-Kues setzt sich aus vier Stadtteilen zusammen. Zwei links, zwei rechts der Mosel und der Ortsteil Kueser Plateau. Alle zusammen bilden die "Internationale Stadt der Rebe und des Weines".

Einer Legende nach stammt der Name der Stadt Bernkastel vom Begriff "Bärenkessel". So lässt sich auch der Bär im Stadtwappen erklären und im Bärenbrunnen finden wir gleich zwei der Bärenfiguren.

Hoch über der Stadt thront die Burgruine "Burg Landshut".

Die Ausflugsgruppe brach auf zu einer Stadtführung. Die wunderschöne spätgotische Michaeliskirche war nicht zu übersehen. Der historische Marktplatz mit seinem Brunnen, das Ensemble aus jahrhundertealten prächtigen Fachwerkhäusern und das markante Renaissance-Rathaus waren beeindruckend. Es wurde gebummelt vorbei an gemütlichen, einladenden Weinstuben, urigen Weinkellern, an liebevoll restaurierten Häusern und Geschäften und es wurde durch verwinkelte Gässchen spaziert.

Heute mussten alle einen Regenschirme mitnehmen. Nachdem wir an zwei Tagen das allerbeste Sonnenwetter hatten, so wurden wir heute früh vom Regen überrascht und das bei nur 5 Grad. Wärmende Jacken wurden von der Bordreiseleiterin Karin besonders empfohlen. Später hellte es auf und der Regen zog sich zurück.

Bernkastel Kues

 Nach dem Stadtrundgang folgte eine Führung in einem Weinkeller und es konnten drei Weine verkostet werden. Ein großes Thema an der Mosel ist neben dem Tourismus natürlich der Wein. Die Gruppe erfuhr viel über die Weinanbaugebiete und über den perfekten Weingenuss.

Vor hundert Jahren war der Moselwein der beliebteste und teuerste Wein der Welt. Die französischen Tropfen hatten dagegen nichts zu melden.

Die alten Römer sagten schon, wo es Wein gibt, da lass dich ruhig nieder. Sie hatten recht. Leider waren uns zeitliche Grenzen gesetzt, um die Weinverkostung auszudehnen.

Das Kopfsteinpflaster in den engen Gassen waren sehr uneben, unbequem und anstrengend zu gehen. Deswegen waren alle gut beraten, feste und bequeme Schuhe zu tragen.

Nachmittags genossen wir vom Sonnendeck oder von der Lounge aus die liebliche Mosellandschaft, die wunderbaren zum Teil endlosen und sehr steilen Berghänge, durch die unser Schiff geruhsam glitt, abgesehen von den vielen Schleusen.

Wir passierten den Ort Pünderich mit der Fachwerkidylle und Romantik pur. Eine Moselfähre verbindet beide Flussufer. Ein altes Fährhaus von 1621 und ein Rathaus von 1548 bieten ein prächtiges Ensemble. Ein Musterbeispiel von dekorativem Fachwerk ist das runde Treppenhaus im alten Rathaus. Die gut erhaltenen Innenausstattungen in spätbarocken Formen findet man in den alten Zehnt- und Kelterhäusern.

In Zell, hoch oben auf einem schmalen Grat, von einer Halbinsel umschlossen, bewundern wir die Marienburg in einer einzigartigen Lage. Hier verengt sich die Moselschleife um 300 m. Mit über 4 Millionen Weinstöcken ist Zell die größte "weinbautreibende" Gemeinde in Deutschland. Durch ihre Weinlage "Zeller Schwarze Katz" hat die Stadt Weltruhm erlangt.

Was bedeutet eigentlich die Legende "Zeller Schwarze Katz"? In einem Weinkeller entstand um 1860 die Legende der "Zeller Schwarzen Katz". Drei Fässer Wein standen in einem Weinkeller zum Verkauf. Die schwarze Hauskatze "Mori" schlich sich in den Weinkeller. Wütend und fauchend setzte sie sich auf eines der drei Fässer. Als der Weinhändler den Probierschlauch einführen wollte, fuhr die Katze ihre Krallen aus und mit rundem Rücken schlug sie nach jedem, der auch nur einen Tropfen aus dem Weinfass entnehmen wollte. Der Weinhändler gab schließlich auf und verkaufte den Wein ohne weiteres probieren, der von der Katze so hartnäckig verteidigt wurde. Im hiesigen Rathaus kann die fantastische Geschichte in einem Film erlebt werden.

Fernab von Lärm und Hektik erhebt sich die Burg Arras auf einer Bergkuppe, die den Römern bereits als befestigte Grenzstation diente. Heute ist die Burg im Privatbesitz und beherbergt ein Burghotel, ein Restaurant und ein Museum.

Während unsere Lady MS Carissima gleitend mit Kurs auf Cochem unterwegs war, ließen wir gut gelaunt und in fröhlicher Stimmung den herrlichen Moselnachmittag bei fantastischen Aussichten und abends in der Lounge bei Musik des Bordmusikers Stefan ausklingen.

4. Tag, Dienstag 12.10.2021 - Cochem

Gestern, am frühen Abend, legte unser zu Hause "MS Carissima" schon in Cochem an. Schön leise war es in der Nacht. Motorengeräusche vermissten wir schon fast wieder. Wie schnell man sich doch an ungewohnte Geräusche gewöhnen kann.

Schon von weitem begrüßte uns die Reichsburg, das Wahrzeichen von Cochem. Hoch über Cochem erhebt sie sich majestätisch auf einem mächtigen Felsen, die im Stil der Neugotik wieder aufgebaut wurde. Sie ist mehr als nur eine Burg und sie erwartete heute die Ausflügler. Mit dem Bus wurde die Ausflugsgruppe auf den Burgberg gefahren. Zu Fuß ist sie vom Fluss aus in ca. 15 - 30 Minuten zu erreichen. Individuelle Führungen sind möglich.

Hoch über dem Moseltal ging es durch die alten Gemäuer, den Rittersaal, den Speisesaal, das Jagdzimmer und die Kermenate. Kermenate waren die ganz intimen und privaten Frauengemächer oder die Burgenforschung bezeichnet heute als Kermenate einen massiven, zumindest in Teilen beheizten Steinbau. Zur Adventszeit lädt die Reichsburg zur "Cochemer Burgweihnacht" ein. Man geht mit historisch gekleideten Schauspielern auf Herbergssuche. Die Weihnachtsgeschichte wird dann sogar mit lebenden Tieren zum Leben erweckt. Der Höhepunkt ist dann, wenn alle an der Krippe stehen und der Erzengel bei Trompetenklang die Geburt Jesu verkündet.

Die Altstadt lockt die Besucher mit guterhaltenen Resten der historischen Stadtmauer. Die Befestigungswerke und das Enderttor mit der ehemaligen Torwächterwohnung zeugen heute noch von einer belebten Vergangenheit. Ein Wunderwerk der Baukunst beherrscht die Stadtkulisse. Der Turm der Martinskirche ragt über alle Bauten mit der Fachwerkkunst bestückten Stadt heraus. Der jeweils dokumentierte Wasserstand an einigen Häusern, bei den immer wieder vorkommenden Hochwassersituationen an der Mosel, ließ uns erstaunen.

Empfehlenswert ist die 200 Jahre alte Senfmühle in Cochem. Während einer fachkundigen Führung erfährt man, wie nach überlieferten und eigenen Rezepturen der Gourmetsenf entsteht. Diese Köstlichkeiten können kostenlos probiert werden.

Zum Abendessen ließ der Restaurantchef "Mohamet" sich etwas ganz Besonderes für uns einfallen. Piraten nisteten sich nachmittags an Bord ein. Als wir das Restaurant betraten, hingen an der Decke Totenköpfe, dunkle schwarze Hosen, gruselige Fähnchen und einiges mehr. Auf den Tischen lag alles Kreuz und quer, Bestecke, Gläser - alles war durcheinander. Das Servicepersonal entpuppte sich der Piraterie. Wir mussten erst einmal wieder Ordnung in den Laden bringen, bevor wir mit dem Essen beginnen konnten.

Nach dem Essen freuten sich alle schon auf morgen, denn dann macht der Herr Kapitän in der weltbekannten Stadt Rüdesheim fest.

5. Tag, Mittwoch 13.10.2021 - Rüdesheim

Wir fuhren die Passage Boppard - Rüdesheim. Ganz in der Frühe, zwischen 6.00 - 6.30 Uhr, sollten wir an dem Loreley Felsen vorbeifahren. Meine Gruppe hatte ich eingeladen aufs Sonnendeck zu kommen. Zuvor erhielten alle von mir eine Kopie vom Loreley Lied: "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten".

Wir übten schon einmal alle zusammen nach dem Sektempfang in der Bibliothek.

 Die Loreley

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin; Ein Märchen aus uralten Zeiten, das kommt mir nicht aus dem Sinn. Die Luft ist kühl und es dunkelt und ruhig fließt der Rhein. Der Gipfel des Berges funkelt im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet dort oben wunderbar, Ihr goldnes Geschmeide blitzet, sie kämmt ihr goldenes Haar. Sie kämmt es mit goldenem Kamme und singt ein Lied dabei; Das hat eine wundersame, gewaltige Melodai.

Den Schiffer im kleinen Schiffe ergreift es mit wildem Weh;Er schaut nicht die Felsenriffe, er schaut nur hinauf in die Höh. Ich glaube, die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn; Und das hat mit ihrem Singen die Loreley getan.

Gedicht von Heinrich Heine von 1824 / Melodie dazu von Heinrich Silcher

Es war eine sagenhafte Zauberin, die auf dem Loreley - Felsen am Rhein bei Oberwesel ihr blondes Haar kämmend den Geliebten erwartet und mit ihrem Gesang die Schiffer auf dem Rhein so betört und ablenkt, dass diese mit ihren Schiffen auf Grund gelaufen und ertrunken sind.

Es waren nur wenige Gäste auf dem Sonnendeck erschienen, um den Loreley-Felsen zu bestaunen, um mit mir zu singen. Es war aber auch arg früh und zu sehen gab es leider auch nichts. Es war stockdunkel. Ich hatte gehofft, dass der Felsen eventuell angestrahlt sei. Trotzdem sangen wir zusammen alle drei Verse. Es folgte ein fast fließender Übergang zum Frühstück.

In Rüdesheim lag MS Carissima bis zum Abend. Das war auch mal schön. Ansonsten legte das Schiff mittags schon immer wieder ab. Dafür hatten wir aber dann die wunderschönen Panoramaaussichten von Bord und nicht zu vergessen die gemütliche Kaffeestunde am Nachmittag mit der Musik im Hintergrund des Bordmusikers Stefan. Hoch über Rüdesheim befindet sich das Niederwald-Denkmal, das zu Ehren der Reichsgründung 1870/71 errichtet wurde. Die "Germania" hält die Reichskrone hoch, am Sockel ist das Gedicht "Die Wacht am Rhein" verewigt. Von hier konnte man einen herrlichen Blick über Rüdesheim, Bingen und die umgebene Landschaft genießen.

Am Eingang der Stadt der nicht übersehbare Adlerturm aus dem 15. Jahrhundert. Er gehört zur ehemaligen Stadtbefestigung und ist einer der prächtigen spätgotischen Wehrtürme. Im 19. Jahrhundert war dieser Turm ein Gasthaus und hieß "Zum Adler". Während seiner Rüdesheimer Aufenthalte quartierte sich Johann Wolfgang von Goethe mehrmals dort ein.

Morgens nach dem Frühstück, wurden die Ausflügler von einer kleinen Bimmelbahn, dem "Winzerexpress" abgeholt. Eine wunderschöne Fahrt durch die Weinberge mit herrlichen Impressionen erwartete sie. Die Arbeit in den Weinbergen ist schwer und mühsam. Wenn wir zukünftig ein Glas Wein trinken, dann sollten wir auch mal einen Gedanken an die Winzer schicken.

In dieser Region, insbesondere am "Assmannshäuser Höllenberg" wird Rotwein schon seit dem 13. Jahrhundert angebaut. Der steil aufragende Höllenberg mit seinem Mikroklima und sonnenbeschienenen Hängen, mit dem reflektierendem Rhein und der idealen Zusammensetzung der Schiefer- und Quarzitböden macht ihn zu einem Solitär in ganz Deutschland. Mitten in einem Rieslinganbaugebiet wächst hier der Spätburgunder von einem internationalen Spitzenniveau.

Wer hat nicht schon einmal von der Drosselgasse gehört? Diese Gasse ist eine ca. zwei Meter breite und ca. 150 m lange mit Kopfsteinpflaster gepflasterte Straße. Etwa drei Millionen Menschen besuchen jährlich diese berühmte Gasse. Warum eigentlich? Na, wegen der zahlreichen Weinhäuser, Restaurants und Souvenirläden. Es ist eine reine Vergnügungsmeile.

Es wurde an vielen Läden und Wirtshäusern vorbei geschlendert, bis "Siegfrieds Mechanische Musikkabinett" erreicht wurde. Es ist untergebracht im Böhmerhof, einem fantastischen Rittersitz aus dem 15. Jahrhundert. Ungefähr 350 selbstspielende Musikinstrumente aus drei Jahrhunderten sind in vielen unterschiedlichen Räumen untergebracht. Eine Dame im Trachtenkleid führte die Gruppe von Raum zu Raum. Sie spielte in jedem Raum einige Instrumente. Das Musikkabinett ist immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis. Meine Begeisterung kann ich immer mit allen Gästen teilen. Wie in jedem Museum ist am Ende der Führung ein Museumsshop untergebracht. Dort konnte man sich mit Präsenten für die Lieben zu Hause eindecken.

Am Abend hatte der Herr Kapitän zum Gala Dinner eingeladen. Es war "schick" machen angesagt. Die Gäste zogen das Beste aus ihren Koffern an. So ein bisschen wurde das ja auch von uns erwartet. Die meisten hatten sich schön "rausgeputzt" und sie waren so schön anzusehen. Es war unser letztes Abendessen vor der Abreise.

Zunächst wurden wir in der Lounge erwartet. Dort wurde uns ein Glas Sekt kredenzt. Der Hotelmanager stellte die gesamte Besatzung namentlich vor und der Herr Kapitän hielt eine kleine Abschiedsrede. Die Bordreiseleiterin Karin erklärte noch einmal explizit den Ablauf der Abreise für den folgenden Tag. Es hatte schon etwas mit Abschied nehmen zu tun. Wir merkten alle, die Reise neigte sich dem Ende zu.

Danach wartete das Gala-Dinner auf uns im Restaurant. Alle Tische waren festlich eingedeckt, die Bestecke und Gläser glänzten und die Servietten waren anders als sonst gefaltet. Es wurde uns ein wohlschmeckendes Dinner serviert. Am Ende konnten wir ein leckeres Eis genießen. An manchen Tischen ließ man sich sogar ein zweites Eis bringen. An den Mimiken und Gesten der Gäste konnte ich entnehmen, dass es allen gut geschmeckt hat. Ein schöner Abschlussabend im Restaurant.

Mehrere Gäste ließen den Abend bei netten Gesprächen und bei Tanz- und Unterhaltungsmusik ausklingen. Allerdings darf es nicht zu spät werden, denn die Koffer müssen für die Abreise noch zum Teil gepackt werden. Wie schnell doch wieder diese Tage vergangen waren. Gefühlt wurden doch erst die Koffer ausgepackt und nun ging es schon wieder ans Einpacken. 

6. Tag, Donnerstag 14.10.2021 - Tag der Abreise

Die Abreise wurde von der Schiffsleitung gut vorbereitet. Jeder kannte den exakten Ablauf.

Unser Gepäck sollte bis spätestens um 08.00 Uhr vor der Kabinentür stehen. Während wir beim Frühstück im Restaurant saßen, sammelten die "guten Geister" vom Schiff das Gepäck ein. Es stand nach Farben geordnet für uns griffbereit an der Pier.

Nach dem Frühstück wartete meine Gruppe in der Lounge, während ich oberhalb des Flussufers auf unseren Bus wartete. Unser Hilgen-Reisebus kam, wie immer, pünktlich um 08.30 Uhr am Frankfurter Untermainkai vorgefahren und stellte den Bus für die Abfahrt bereit. Ich ging zum Schiff zurück und holte meine Gruppe aus der Lounge ab.

Das Gepäck wurde schnell verladen und  über Göttingen, Hannover und Bremen fuhren wir zurück nach Oldenburg. In Oldenburg endete unsere Reise.

Die Nürnburger Gäste reisten, wie bei der Anreise, mit der Bahn zurück. Taxis zum Bahnhof konnten am Vortag an der Rezeption bestellt werden.

Liebe Gäste, wir verbrachten wunderschöne Tage in einer herrlichen Weinregion. Es wurden zahlreiche Sehenswürdigkeiten dieses großartigen Landstriches besucht. Der komfortable Aufenthalt auf dem schwimmenden Hotel wurde von uns in vollen Zügen genossen.

Die Tage vergingen mal wieder wie im Fluge. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie gerne an unsere gemeinsame Zeit zurückdenken.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Ihnen, liebe Gäste, auch im Namen von Hanseat Reisen  für Ihr Vertrauen, für Ihre Herzlichkeit, für die vielen Gespräche und für Ihre Pünktlichkeit bedanken.

Bleiben Sie gesund und reiselustig und es wäre schön, wenn wir uns auf einer meiner nächsten Reisen mal wieder sehen .

Vielen Dank auch an Hanseat Reisen für die vorbildliche Vorbereitung der Flussreise auf MS Carissima.

Bis bald und alles Gute!

Ihre Reisebegleitung

Gunda Würdemann-Ihnen