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Meine Reise auf dem

Göta Kanal

Sarah Michel
07.01.2022
Ich hatte das große Glück, dass ich eine Reise auf dem Göta Kanal, quer durch Schweden, erleben konnte. Zuerst fragt man sich, wo denn genau der Göta Kanal ist und warum man dort reisen soll. Und dann denkt man sich, einfach mal machen. Und ich muss sagen, es ist wohl eine der schönsten Reisen die ich je gemacht habe. Wenn ich mal einen stressigen Tag habe, oder einfach nur abschalten will vom Alltag, dann ist eine „Gedankenreise“ nach Schweden super. Gerne nehme ich mir dann auch das Fotobuch dazu. Es sind viele unvergessene Erinnerungen, auf die ich Sie hier gerne einmal mitnehmen möchte. 
Schweden Flagge
Schweden einmal anders entdecken

Stellen Sie sich vor, ein warmer, sonniger Sommertag im Juni in Schweden, kurz vor Mittsommer, das Fest an dem ganz Schweden die Sommersonnenwende feiert. Und so ist schon Tage vorher eine freudige Stimmung im Land zu spüren.

Für mich ging es los in Stockholm und um die Stadt gleich noch etwas miterleben zu können, gab es zwei Vorübernachtungen in einem kleinen Hotel direkt in Gamla Stan, der Altstadt. Bei dem Besuch dort durften eine Wachablösung vor dem Schloss sowie eine Stadtrundfahrt und ein Besuch im Vasa-Museum natürlich nicht fehlen. Manch einer mag denken, was soll ich mir ein altes, untergegangenes Schiff ansehen (dachte ich vorher auch), doch wenn man in das Museum hereinkommt und dann vor diesem wahnsinnig großen Schiffsbau steht, ist das ein unglaublicher Moment. Ich kann jedem wirklich nur empfehlen, sich das nicht entgehen zu lassen.

Stockholm - Schloss, Gamla Stan und Vasa-Museum
Stockholm: Stadtschloss, Gamla Stan und Vasa Museum

Als Kontrast zu dem Alten, habe ich mich dann noch auf den Weg zum Skyview gemacht, das liegt nicht mitten im Zentrum, aber mit der U-Bahn ist man schnell da. Hier kann man in zwei runden Glasgondeln die runde Außenwand einer Veranstaltungshalle entlangfahren und dabei auf Stockholm blicken. Nichts für Menschen mit Höhenangst, aber ebenfalls ein Erlebnis.

Stockholm - SkyView
Stockholm: Skyview

Am dritten Tag ging es dann los. Einschiffung auf die DIANA. Ich habe im Vorfeld viel über das Schiff gelesen und dachte, ich bin gut vorbereitet. Doch was ich dann erlebt habe, das kann man sich durch lesen nicht aneignen. Das muss man selbst erleben!

Außenansicht DIANA
Die DIANA - eines von drei Göta Kanal Schiffen

Ich hatte eine Kabine auf dem Shelter Deck, dem Zwischendeck. Die Kabine bestand aus einem Etagenbett, einer kleinen Garderobe (einen richtigen Schrank gibt es nicht) und einem Waschbecken, das man mit einem Deckel „verstecken“ konnte und man so dann noch etwas Ablagefläche hatte. Unter dem Waschbecken war ein klein wenig Platz um das Notwenigste zu verstauen. Alles andere blieb im Koffer, der unter das Bett geschoben wurde. Man sollte daher idealerweise gar keinen Koffer sondern eine Reisetasche nehmen, die etwas zusammengedrückt werden kann. Ich habe bei anderen aber auch gesehen, dass sie den Koffer aufrecht gestellt und dann wie einen Schrank genutzt haben. Eins ist klar, bei der Größe der Kabine wird man erfinderisch. Aber am Ende hält man sich auch nur zum Schlafen und Umziehen auf der Kabine auf. Auf meinem Deck war es so, dass die Kabinen mit der Tür nach außen lagen, so hat man meist die Tür offen gelassen, da es schön warm war. Selbst nachts, da schloss man dann nur den zusätzlichen Vorhang. So war es dunkel und man hatte nicht nur seine Privatsphäre sondern auch frische Luft. Denn eine Klimaanlage auf dem Schiff, das wohl das älteste Passagierschiff der Welt ist, gibt es nicht.

DIANA Kabine
DIANA: Blick in eine Kabine auf dem Shelter-/Zwischendeck

Nun fragen Sie sich, wie das mit der Toilette und Dusche ist? Es ist einfacher und bequemer als man im ersten Moment vermutet. Es gibt auf jedem Deck Toiletten sowie auf dem Unter- und Oberdeck auch mind. 2 Duschen. Alles wird mehrmals am Tag vom Bordpersonal gereinigt. Und befindet sich damit immer im guten Zustand. Und jeder gibt auch darauf Acht, dass das so bleibt. Das wurde nie groß gesagt, doch war es für alle eine Selbstverständlichkeit. Und auch, dass niemand stundenlang eine Dusche oder ein WC blockiert. Und es stellt sich auch schnell eine Routine ein, denn wenn nicht jeder morgens duscht, sondern die einen vor, die andern nach dem Frühstück, andere wiederum abends oder jemand auch mal am Nachmittag, so gibt es kaum Wartezeiten. Aber auch diese waren willkommen, so hat man sich morgens in der Nachtwäsche an Deck getroffen, schon die ersten Sonnenstrahlen genossen und gemeinsam gelacht. Es war wie bei einer große Familien an Bord. Sicherlich mit ein Faktor, warum diese Reise so unvergessen ist.

DIANA Kabine
DIANA: WC und Dusche sind voneinander getrennt und mehrmals vorhanden

Bevor die Fahrt startet habe ich natürlich noch das restliche Schiff erkundet. Auf dem Unterdeck (Main Deck) sind nur Kabinen, aber auf dem Zwischendeck befanden sich dann noch das Restaurant/Speisezimmer und die Lounge mit einer kleinen Bibliothek. Beides konnte durch eine Verbindungstür zu einem großen Raum verbunden werden, so dass man z.B. beim Essen etwas mehr Platz hatte.

DIANA Restaurant
DIANA: Restaurant und die Lounge

Auf dem Oberdeck (Brigde Deck) gibt es einen größeren Außenbereich, der größtenteils überdacht ist, viele Stühle und Tische sowie eine kleine „Bar“. Hier konnte man sich Getränke selber nehmen, trägt dieses dann in eine Liste ein und zahlt am Ende der Schiffstour. Es war so schön zu sehen, dass es auch nur mit Vertrauen geht. Neben weiteren Kabinen befindet sich hier vorne auf dem Schiff natürlich die Brücke. Und auch das ist wohl kaum noch irgendwo zu finden. Man kann jederzeit zum Kapitän, ihm zusehen und auch Fragen stellen.

Überhaupt, die ganze Crew ist einsame Spitze. Neben dem Kapitän und einer mehrsprachigen Reiseleitung gibt es an Bord zwei Personen für die Küche, zwei für den Service - jede Mahlzeit wird mit so viel Liebe zum Detail auf engstem Raum vorbereitet und die Tische jeweils bereits mit den vorbestellten Getränken stilvoll eingedeckt. Morgens gab es ein Buffet, mittags ein 2-Gänge und abends ein 3-Gänge-Menü. Das war einfach spitze, nicht nur dass es super geschmeckt hat sondern auch das Auge aß mit. Das Essen ist, wie man wohl erwartet, besonders von Fischgerichten geprägt. Aber auch Klassiker wie Köttbullar oder am Nachmittag Zimtschnecken durften nicht fehlen.

DIANA Essen
DIANA: Liebevoll angerichtet und sehr lecker

Dann gehören zur Crew noch der 1. Offizier und ein nautischer Student, der an Bord den praktischen Teil der Ausbildung durchläuft. Des Weiteren gibt es noch einen „Maschinenmann“, der dafür sorgt, dass das Schiff auch immer fahrttüchtig ist und noch eine Studentin, die sich um die Reinigung der Kabinen und der Sanitäranlagen kümmert (unterstützt wird sie dabei von anderen Crewmitgliedern). Und um jedweden Fragen vorzubeugen, so war es auf meiner Tour, die Geschlechterverteilung kann sich natürlich auch ändern.

Die gesamte Crew hatte sich zu Beginn vorgestellt und war permanent für die Gäste da, immer freundlich, hilfsbereit und gut gelaunt. Man merkte, dass sie Spaß an der Arbeit hatten.

Auf dem gesamten Schiff gibt ein keinen TV, kein Radio, kein WLAN und auch Mobiltelefone sind ausgeschaltet oder aber zumindest lautlos. Und es hat sich auch jeder daran gehalten nicht an Bord zu telefonieren. Und wenn, dann vielleicht leise in der Kabine, so dass man niemanden stört. Damit ist der Erholungseffekt garantiert!

Doch nun zur Fahrt mit der DIANA!

Wir haben Stockholm verlassen und konnten dabei noch mal einen wunderbaren Blick auf Gamla Stan und das Stadtschloss genießen. Dann gib es zum Mälarsee und vorbei am Schloss Drottningholm. Hier hält sich oft die schwedische Königsfamilie auf und wenn man noch etwas mehr Zeit in Stockholm hat, sollte man einen Ausflug hierher unternehmen. Weiter ging es nach Trosa. Ursprünglich ein Fischerdorf, wurde Trosa bereits im 14. Jh. schriftlich erwähnt. Als ab den 1860er Jahren regelmäßig Dampfer mit Sommergästen aus Stockholm kamen, bekam die Stadt ein neues Gesicht. Für die Nacht ging es dann weiter mit der DIANA nach Sävsundet, unserem Liegeplatz für eine ruhige Übernachtung.

Söderköping und Stegeborg
Eis in Söderköping und Schlossruine Stegeborg

Am nächsten Morgen erreichten wir die Schlossruine Stegeborg, landschaftlich reizvoll auf einer kleinen Insel in der Ostseebucht Slätbaken gelegen. Die Burg stammt aus dem frühen Mittelalter und war Jahrhunderte lang „das Tor“ zu Östergötland. Die nächste Schiffsetappe führt nach Mem. Hier beginnt der Göta Kanal, der am 26.09.1832 feierlich in Gegenwart von König Karl XIV Johan an dieser Stelle eingeweiht wurde. Und dann geht es auch schon zum nächsten Ziel: Söderköping. Diese idyllische Stadt wurde Anfang des 13. Jahrhunderts gegründet und lädt nicht nur zu einem Bummel ein, tatsächlich auch die Eisdiele direkt am Kanal. Eine tolle Auswahl und dazu einfach super lecker! Frisch „gestärkt“ konnten wir dann die letzte Etappe für den heutigen Tag in Angriff nehmen: Berg. Hier legten wir unten, direkt vor der großen Schleusentreppe an, um die Nacht hier zu verbringen. Natürlich sind alle von Bord um sich die Schleusentreppe schon mal anzusehen. Und wer verrückt genug ist, geht nebenan am kleinen Strand eine Runde schwimmen, Badewannentemperatur darf man hier aber nicht erwarten.

Schleusentreppe Berg
Eis in Söderköping und Schlossruine Stegeborg

Nach einer erholsamen Nacht wird die DIANA nun über Carl-Johans Schleusentreppe nach oben „gehoben“. Die Schiffe müssen eine Gesamthöhe von knapp 19 m bewältigen, dabei helfen die 7 Kammern, was diese Schleusentreppe zur längsten des Kanals macht. Wir erreichten das Kloster Vreta, das erste Nonnenkloster Schwedens. Ein kurzer Spaziergang führt uns direkt vom Schiff zur Klosterruine und der noch erhaltenen Kirche. In Borensberg gab es dann in dem fast schon legendären und sehr charmanten Göta Hotell leckere Waffeln sowie Kaffee oder Tee. Für unsere nächste Nacht-Anlegestelle ging es dann nach Motala, auch „Hauptstadt des Göta Kanals“ genannt. Und hier darf man sich den Besuch im Motormuseum nicht entgehen lassen. Hier kann man neben einer sehr umfassenden Sammlung von Oldtimern auch riesige Sammlungen von Telefonen (von den Telefonanlagen wo die „Fräuleins“ noch die Verbindungen steckten bis zum Mobiltelefon), Fotoapparaten, Schallplattenspielern und vielen anderen bestaunen. Für die einen schon Geschichte, für die anderen Erinnerungsstücke.

Kloster Vreta und Göta Hotell
Kloster Vreta und Göta Hotell
Motola - Motormuseum
Eindrücke aus dem Motormuseum in Motala

Nach einer erholsamen Nacht ging es am frühen Morgen weiter mit Kurs auf Vadstena. Die idyllische Kleinstadt, die im 14. Jh. rund um das Kloster der Heiligen Birgitta zu einem wichtigen geistlichen und kulturellen Zentrum heranwuchs, besichtigen wir von einer kleinen Bimmelbahn aus, aber natürlich dürfen eine Führung im Kloster sowie im Schloss, neben dem die DIANA angelegt hat, nicht fehlen. Und als wir wieder an Bord kamen, hat ein Mitglied der Besatzung seine Akkordzither hergeholt und draußen an Bord uns ein paar Lieder vorgetragen. Ein stimmungsvoller Moment, der wieder einmal zeigt, wie gerne die Schweden singen. Aber auch dieser Stopp ging vorbei und wir setzten unsere Fahrt vorbei an der Festung Karlsborg und über den verwunschenen See Viken weiter nach Hajstorp, unserem Liegeplatz für die kommende Nacht.

Schloss und Klosterkirche Vadstena
Schloss und Klosterkirche von Vadstena

Am heutigen Tag lag die wahrscheinlich kleinste „Hafenstadt“ Schwedens auf unserem Weg Sjötorp. Hier erlebten wir im Rahmen einer Führung im Kanalmuseum die Geschichte rund um den Kanal. Unser nächster Schiffsstopp fand bei Schloss Läckö statt. Hier waren sehr viele Treppen zu bewältigen, aber es hat sich gelohnt. Ursprünglich 1298 als Bischofssitz angelegt, erlebte das Schloss jedoch seine Blütezeit erst im 17. Jahrhundert. Den letzten Abend auf dem Göta Kanal verbringen wir dann in Trollhättan Rysskajen. Ein besonderes Highlight am Abend war neben dem wieder einmal großartigen Essen ein Besuch in der Kombüse und im Maschinenraum. Da wird einem erst einmal bewusst, was die beiden KöchInnen in dieser kleinen Kombüse für uns alle geleistet haben.

Schloss Läcko
Schloss Läckö

Bevor es am nächsten Morgen nach Göteborg geht, konnten wir ebenfalls noch mal an einer Führung teilnehmen, dieses Mal im Trollhätte Kanalmuseum, welches in einem schönen Gebäude von 1893 untergebracht ist. Und dann kommen wir auch schon am Ende der Reise auf dem Göta Kanal an, wir erreichen Göteborg

Göteborg
Göteborg: Fischhalle, Blick auf die Stadtund das Hotel

Unsere DIANA legt in der Nähe der Oper und dem Maritiman, dem maritimen Erlebniszentrum in Göteborg, an. Die Ausschiffung, lief nicht ohne Emotionen ab, so war das Schiff doch für einige Tage unser Zuhause und die Crew unsere Familie. Die gesamte Crew standen am Ende der kleinen Gangway und jeder wurde persönlich verabschiedet. Und unser Gepäck stand auch schon an Land, wir mussten uns wieder einmal um nichts kümmern. Mit dem Bus unternahmen wir eine kleine Stadtrundfahrt bevor der Bus uns zum Hotel brachte. Das Hotel lag direkt im bzw. über dem Bahnhof. Alle hatten ein wenig Bedenken, ob es evtl. zu laut sein könnte, gerade nach der sehr ruhigen Zeit auf der DIANA. Aber wir haben alle am nächsten Morgen festgestellt, diese Sorgen waren unbegründet. Und dann endete unsere Reise auch schon, mit dem Bus ging es zum Flughafen und von dort in die Heimat.

DIANA - Gangway

Eine einmalige und unvergessliche Reise liegt hinter uns. Wer einmal die Welt um sich vergessen möchte, keinen großen Luxus, aber eine fantastische Landschaft in einem wunderbaren Land bei sehr leckerem Essen und liebe Menschen erleben und kennenlernen möchte, ist auf dieser Reise genau richtig aufgehoben. Und ich hoffe sehr, dass ich irgendwann die Reise noch einmal erleben darf, dann vielleicht von Göteborg nach Stockholm…

Ihre Sarah Michel