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Mein 1. Jahr in der Ausbildung – Azubis bei Hanseat Reisen Teil 7

Ausbildung im Tourismus zu Corona-Zeiten – wie ist das?

Melissa Preuß
27.07.2021
Hallo, ich bin Melissa, 22 Jahre alt, und habe im August 2020 meine Ausbildung als Tourismuskauffrau bei Hanseat Reisen angefangen. 
Nun bin ich bereits seit fast einem Jahr in meiner Ausbildung und ich weiß gar nicht, wo die letzten Monate geblieben sind. Zum einen verging die Zeit wie im Flug, zum anderen steckt man gedanklich noch irgendwo im Jahr 2020 fest. Und ich denke, das ergeht nicht nur mir so...

Dass 2020 ein Jahr wie kein anderes war, das brauche ich glaube ich gar nicht groß erwähnen. Die Welt stand still und es tat sich eine Situation auf, die niemand von uns so wirklich kannte.

Viele Branchen traf die Corona Krise hart und unerwartet. Der Tourismus und das Reisen, für den einen Hobby, für den anderen das Jahreshighlight und für den Nächsten der Inbegriff von Vorfreude, Entspannung und Auszeit vom Alltag, schienen plötzlich weiter weg, als die Destinationen selbst. Und das war es ja auch. Die Ländergrenzen wurden geschlossen, die Schiffe standen still. 

Anja  Horn
„Das waren wirklich turbulente Zeiten … ich kann mich noch gut erinnern, wie ich nur wenige Tage vor dem europäischen Lockdown aus meinem Indienurlaub zurückgekehrt bin und danach ein Land nach dem anderen dicht machte, den Notstand ausrief und die Grenzen schloss … das war wie im falschen Film. In Indien war alles total überfüllt und auf einmal galt es Abstand zu halten, bloß kein Händeschütteln, keine Umarmungen, und am liebsten kaum noch Menschen sehen und persönliche Gespräche auf ein Minimum reduzieren.
In den ersten Wochen der Pandemie galt es zunächst einmal die „gestrandeten“ Gäste vor Ort von A nach B zu befördern – teilweise konnten sie nicht zurück, weil die Flughäfen dichtgemacht hatten und sie aus anderen Ländern abgeflogen werden mussten, teilweise mussten Reisen abgebrochen und verkürzt werden und teilweise wurde die Einreise schlicht verweigert – so geschehen bei vielen Kreuzfahrtschiffen (…). 
Auch erinnere ich mich noch gut an meine Kollegin Dani, die „eigentlich“ mit einer Gruppe auf dem Weg zu den Lofoten war. Auf dem Zwischenstopp in Oslo hieß es plötzlich: Ab 18:00 Uhr werden keine ausländischen Gäste mehr angenommen! Gonzalo hat dann glücklicherweise ein Hotel in Flughafennähe gefunden, welches bereit war, die deutschen Gäste für diese Nacht aufzunehmen… andernfalls hätte die Gruppe am Flughafen übernachten dürfen... Am nächsten Morgen hieß es dann wieder RETOUR nach Hamburg :-(
Anja Horn

Doch wie ist es eigentlich, genau zu einer solch‘ außergewöhnlichen Zeit, eine Ausbildung im Tourismus anzufangen? Welche Umstände und Herausforderungen erwarten einen? Was kann man aus einer solchen Zeit lernen? Darüber möchte ich in diesem Beitrag berichten und einen Eindruck hinter die Kulissen und von der anderen Seite des Ufers geben und vielleicht sogar anderen jungen Menschen Mut machen - trotz der letzten Monate - eine Ausbildung in dieser Branche anzufangen.

Als ich am 03. August 2020 meine Ausbildung antrat, fühlte sich alles ganz normal an. Unser Großraumbüro im Weser Tower war gut gefüllt, vor jedem Monitor saß jemand, fleißig am Telefonieren und Tippen. Alles schien ganz normal, aber immer wieder hörte ich heraus, dass das zu dem Zeitpunkt aktuelle Tagesgeschäft schon gar nicht mehr dem üblichen entsprach. 

Und dann ging alles ganz schnell. Es dauerte nicht lang und von Stimmengewirr, Telefonklingeln, Lachen und Gesprächen war nicht mehr allzu viel zu hören. Kurzarbeit und Home Office waren angesagt.

Annika  Fuhrmann
„Besonders gefehlt hat mir der Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Ich hatte Angst, etwas Wichtiges zu verpassen. Dazu kam die Ungewissheit über die Zukunft. Dennoch muss ich sagen, dass ich die freie Zeit gut für mich genutzt habe. Ob es mein Nebenjob im Testzentrum war oder mehr Zeit mit der Familie und Freunden zu verbringen – die Dinge, die sonst im Alltag leider etwas zu kurz gekommen sind. Nun weiß ich meine Freizeit mehr zu schätzen, bin aber auch dankbar darüber, dass wieder Normalität eingekehrt ist.“
Annika Fuhrmann
Kristin Hutans
„Das war wirklich ein sehr komisches Gefühl. Vom einen auf den anderen Tag  konnte ich nur noch zeitweise ins Büro, Kurzarbeit war angesagt. Alles war urplötzlich anders: der gewohnte Tages- und Wochenrhythmus (normalerweise 40 h im Büro) war nicht mehr da und die vertrauten täglichen Kontakte mit liebgewonnen Kollegen fehlten. Alles was ich vorher für selbstverständlich gehalten habe, gab es über Nacht nicht mehr. (…) Ich musste mich sprichwörtlich erst einmal neu orientieren, mir einen neuen Alltag erfinden und neue Wege des sozialen Miteinanders (z.B. Afterwork Events und Geburtstagsfeiern via Zoom) ausprobieren. Mir haben in dieser verrückten Zeit vor allem die vielen Telefonate mit sehr guten Freunden geholfen, denen es teilweise ähnlich erging.“
Kristin Hutans

Als Azubi ist man vor Kurzarbeit geschützt und Home Office sollte auch nur im äußersten Notfall die Lösung sein. Darüber war ich aber, ehrlich gesagt, sehr froh. So konnte ich noch jeden Tag ins Büro fahren und von dort aus arbeiten.
Nun musste jedoch der Spagat gelingen zwischen Kurzarbeit und einer „Betreuung“ für mich, damit ich auch weiterhin meinen Ausbildungsinhalten gerecht werde. Das war sicherlich nicht immer einfach, aber keiner der Kollegen hat mir jemals das Gefühl gegeben, gerade keine Zeit für mich zu haben. Mir wurden immer ausreichend Aufgaben gegeben, die sich in sich steigerten und auch abwechselten. Somit konnte ich immer an etwas arbeiten und vor allem etwas lernen. Und wenn sich Fragen ergaben, hatte ich auch hier immer einen Ansprechpartner. Ein großes Lob an alle Hanseaten!

Gonzalo  Rojas Mendoza
Die Arbeit während der Kurzarbeit zu erledigen, war teilweise eine Herausforderung. Jedoch nicht die Betreuung der Auszubildenden, man hat sie in vielen Bereichen mehr involviert als im normalen Betrieb, weil sie trotz Kurzarbeit in Vollzeit eingesetzt war. Es war daher eine Entlastung und ein gutes Gefühl, zu wissen, dass sie den Überblick über Vieles hatte und die Aufgaben selbständig erledigt hat.“
Gonzalo Rojas Mendoza

Insgesamt durchlief ich während der Kurzarbeit 9 Abteilungen. Ich arbeitete also in vielen Aufgabenbereichen.

Natürlich waren die Aufgaben, die in diesen Monaten anfielen, nicht gerade von alltäglichem Charakter: Gäste von einer Reise auf eine andere umzubuchen kommt hin und wieder vor - in der Corona-Zeit wurde dies zur regelmäßigen Tätigkeit. Auch Kundenbriefe zu verfassen, in denen wir die Kunden leider über die Absage ihrer Reise informieren mussten, gehörte dazu. Allerdings war es hierbei auch immer sehr schön, wenn man den Gästen gleichzeitig ein Alternativangebot anbieten konnte. Mit einer gleichen Reise zu einem späteren Zeitpunkt oder einer vergleichbaren Reise konnten wir unseren Gästen zeigen, dass es uns sehr wichtig ist, ihnen ihre Reisen zu ermöglichen und ein hoffnungsvolles und optimistisches Gefühl zu geben.

Diese Aufgaben haben mir ungemein geholfen, die Hintergründe der Reisen und Angebote zu verstehen und zu lernen, wie eine Reise in solch einer extremen Situation gehandhabt wird. Da nun die Reisen wieder anlaufen, lerne ich direkt die andere Seite kennen, also Kundenwünsche weiterzuleiten, Kabinen und Zimmer in die Systeme einzustellen und zwischen den Verkaufsbüros und den Veranstaltern zu koordinieren. Ich habe also beide Szenarien in kurzer Zeit kennenlernen können – unter normalen Umständen wäre dies so nicht möglich gewesen.

Anja  Horn
Wir versuchten in dieser Zeit fieberhaft, neue Reisen innerhalb Deutschlands zu kreieren bzw. einzukaufen – wie z.B. das Emsland rauf und runter zu radeln :-) oder die „Genusswanderreise“ ins Sauerland mit Friedel Knipschild, dem Seniorchef von Hunau Reisen. (…)“
Anja Horn

Rückblickend kann ich sagen, dass ich auch während dieser schwierigen Zeit nicht daran gedacht habe, den Ausbildungsberuf zu wechseln. Natürlich gab es auch schwierige Tage, aber wer hatte diese nicht? Ich war mir aber immer sicher, wenn wir das Ganze gemeinsam überstehen, dann wird der Tag kommen, an dem die Menschen - unsere Kunden - wieder reisen können. Und, auch da war ich mir sicher, dann wollen sie auch reisen! Denn dies ist dann doch etwas Positives an dieser Zeit: die Sehnsucht nach dem Reisen wächst eher, als dass sie verschwindet.

Ich sah und sehe meine Ausbildung in der Corona-Zeit als große Chance: manche Dinge hätte ich unter anderen Umständen wohlmöglich gar nicht so schnell gelernt. Und dadurch, dass ich den „ganz normalen“ Arbeitsalltag nie wirklich kennenlernen konnte, war die Umstellung für mich auch gar nicht so gravierend, wie für die Kollegen.

Meiner Meinung nach bringt jede Krise auch Chancen mit sich, es gilt nur, diese zu nutzen. Und etwas Gutes hat das Ganze ja noch an sich: so schnell kann mich nichts mehr überraschen ;-)

Stella  Smidt
„Ich hab' mich sehr gefreut, als wir endlich wieder ins Büro „berufen“ wurden. Es fühlte sich super toll an, da endlich ein Stück Normalität zurückkehrte, nachdem es nach 7,5 Monaten zu Hause auf Dauer ein wenig langweilig wurde… Man hat die kleinen „Schnacks“ in der Küche, im Flur, Fahrstuhl oder am Block doch sehr vermisst!“
Stella Smidt
Sarah Michel
„Es ist schön, wieder die Kollegen zu sehen, einen direkten Austausch starten zu können. (…) Persönlich ist es einfach schöner. (…) Es kommt wieder mehr Alltag zurück ins Arbeitsleben. Eine ganze Zeit waren so viele Aufgaben zu erledigen, um die man sich kaum oder nur selten kümmern musste. Und nun zeigt sich, dass sich alles wieder etwas erholt und das macht Mut für die Zukunft und die Touristik.“
Sarah Michel
Anja  Horn
„Als es zum 07.06.21 endlich hieß, das Produktmanagement möge aus der Kurzarbeit an seinen/ihren Arbeitsplatz zurückkehren, habe ich mich wirklich riesig gefreut. Endlich mal wieder alle Kolleginnen und Kollegen live und in Farbe sehen, persönliche Gespräche führen und über Tagesthemen diskutieren – das hat mir echt gefehlt! Auch wenn die Ansammlung von so vielen Menschen zunächst ungewohnt war – glücklicherweise sind die meisten von uns mittlerweile geimpft :-). (…)“
Anja Horn

…und somit finden sich so langsam auch das Stimmengewirr, das Telefonieren an jeder Ecke, das Lachen und die Gespräche wieder in unseren Etagen des Weser Towers ein. Und das Wichtigste: das Reisen geht wieder los!